Alles anzeigenSportlich ist uns Paderborn sicherlich seit ein paar Jahren etwas voraus, aber das sollte man jetzt auch nicht als uneinholbar begreifen. Es mag überraschen, aber bis auf die größere Konstanz in der oberen Hälfte der zweiten Liga zu landen (also genau dort, wo wir auch hin wollen) sind uns die Domstädter kaum voraus. In den letzten 10 Jahren haben wir vier Jahre höherklassig als Paderborn gespielt und 3 Jahre waren wir eine Klasse tiefer. Das wird sich in der kommenden Saison leider ausgleichen, aber wenn man mal davon ausgeht, dass Paderborn mit hoher Wahrscheinlichkeit in der nächsten oder übernächsten Saison wieder abstiegen wird, dann sind wir durchaus in der Lage bis dahin sportlich aufzuschließen.
Natürlich sind die Paderborner, was Umfeld und Fans angeht deutlich gewachsen. Wenn man weiß, dass die vor 20 Jahren außerhalb des Hochstift quasi nicht existent waren ist deren Entwicklung schon Enorm. Aber auch Arminia ist da vor allem wegen der Pokalsaison auch nicht stehen geblieben. Daher bleibt Arminia in Bezug auf Historie, Umfeld und Anhängerschaft aktuell klar der erste Club in der Region, auch wenn Paderborn uns sportlich mal wieder kurzzeitig abgehängt hat.
Interessant sind die unterschiedlichen Eindrücke, dass viele Sympathisanten Paderborn als Zweitclub haben, während andere sich voll mit dem Verein identifizieren. Das erinnert mich Stark an Arminias Rückkehr in den bezahlten Fußball Mitte der 1990er Jahre. Da haben sich auch viele dem Hyp um die Bundesliga angeschlossen und Arminia war dann häufig der lokale zweite Club. Andere haben sich dann ganz gegen Arminia gewendet, weil das die örtliche Konkurrenz des eigenen Clubs war. Überhaupt war Arminias Standing bei weitem schlechter als heute. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis das gerade gerückt war und das wird auch in Paderborn wohl einige Zeit dauern. Auf der anderen Seite ist bei den Katholiken durchaus ein potential aufgetan worden, was man bei den Vorgängerclubs in der Tat nicht erahnt hätte. Nicht umsonst gab es früher viele Reibereien der Paderborner mit Lippstadt, Gütersloh, Verl und Co. Das war die Kategorie in der mal selbst auch verortet wurde. Und auch ich hätte das südliche Ostwestwestfalen gerne als Arminias Einzugsgebiet gesehen, statt in Einzelfällen deren Trikots und Aufkleber gelegentlich im Norden zu sehen. Umgekehrt wird das durch unsere bessere eigene Durchdringung des Marktes mehr als nur aufgefangen. Immerhin ist der Ballungsraum Gütersloh-Bielefeld-Herford-Minden deutlich größer. Dazu kommt das Paderborns Geschäftsmodell vorwiegend auf TV-Geldern und Ablösesummen als Ausbildungsverein beruht. Zwei drei schlechte Jahre und ein Abstiege in die dritte Liga kann da sehr viel nachhaltiger Schaden als man es jetzt im Erfolg vermuten würde. Man kann sich ziemlich sicher sein, dass Arabi Paderborn im Kopf hatte, als hier bar jeder Arminia-DNA das Konzept des Ausbildungsvereins ausgerufen wurde.
Und vielleicht belebt die Konkurrenz auch das Geschäft. Mit Münster, Osnabrück und Paderborn gibt es immer vier potentielle Derbys in der Region. dazu kommt noch Bochum und die weiteren Nachbarn aus Hannover, Dortmund und Gelsenkirchen. Wobei letztere zwar eine krasse Konkurenz sind, aber eben doch immer mal wieder auf der Alm aufschlagen und für Interesse sorgen.
Den Rest wird letztlich die Zukunft zeigen.
Arminias größte Aufgabe ist nach wie vor auch mal selbst etwas Konstanz zu zeigen. Wir warten seit 121 Jahren darauf.
Die gesamte Region Ostwestfalen-Lippe hat ungefähr 2 Millionen Einwohner. Dazu kommt ja noch, dass auch Fußballfans aus Melle, Oelde oder Rinteln nach Bielefeld fahren. Ich denke, dass es hier genug Potential für mindestens zwei, wenn nicht sogar drei, Profimannschaften gibt.
Paderborn hat als Einzugsgebiet halt eher Höxter, das untere Lipperland und den Kreis Paderborn.
Arminia hat die Stadt Bielefeld, Minden, Herford, Gütersloh und den Rest von Lippe.
Andererseits gibt es hier aber auch viele Fans von Schalke oder Dortmund.
Aber so wie Arminia das die letzten Jahre gemacht hat, war das schon ziemlich durchdacht. Schön den Hype mitgenommen, die Mitgliederzahl auf über 30.000 gesteigert, den Jugendfanclub weiter ausgebaut (das sind immerhin die Fans von morgen) und den Dauerkarten-Absatz gesteigert. Trotz einiger Prognosen, die vorausgesagt haben, dass viele ihre Mitgliedschaft wieder kündigen oder ihre Dauerkarte nicht verlängern werden, ist doch eher das Gegenteil eingetreten. Das wird sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich auch nicht mehr großartig ändern, vor allem, wenn Arminia weiterhin in der zweiten Liga spielt.
Daran ändert auch der Aufstieg von Paderborn nichts. Wer jetzt Mitglied oder Dauerkarteninhaber bei Arminia ist oder dies gerne werden möchte, wird diese Entscheidung nicht überdenken, weil der SCP jetzt mal ne Saison in der ersten Liga spielen darf. Da spielen dann doch noch einige weitere Faktoren eine große Rolle (Lokalpatriotismus, bessere Stimmung, mehr Kultverein, eine stabile Fanbasis und ein größeres Stadion, welches nicht aufm Parkplatz von nem Möbelhaus steht, um nur ein paar zu nennen).