Ich finde schon, dass Kniat Spieler punktuell besser gemacht hat, wenn ich auf Oppie, Großer oder Momulluh schaue. Genauso sehe ich es bei Kirch mit Blick auf Grodowski, Young oder Hagmann. Aber natürlich liegt da auch viel beim Spieler selbst und ehrlicher weise auch an der Rolle im jeweiligen System.
Das man zuerst die Defensive stabilisiert, ist eigentlich normal. Heidenheim hat das nach den ersten Spielen auch gemacht, die haben auch schon 12 Gegentore kassiert. Das Wichtige ist, dann nicht zu stagnieren, sondern mit Balance zwischen Offensive und Defensive in die Spiele zu gehen und sich weiter zu entwickeln. Letzteres hat Kniat nie geschafft.
Das liegt aber auch in den unterschiedlichen Ansätzen der beiden Trainer. Kniat hat Abläufe einstudiert und die immer wiederholt. Hohe Ballgewinne, hohes Anlaufen, extreme Laufbereitschaft, Überlagerung der Flügel, dann rein in die Mitte, aber er hat nie für eine gute Strafraumbesetzung gesorgt. Bzw. er hat auf einen Spieler gesetzt, der aus besten Abschlußpositionen nichts gemacht hat. Das Problem war ein völlig vorhersehbares Offensivspiel, Schema F, immer gleich, leicht zu entschlüsseln, gepaart mit einer hohen defensiven Anfälligkeit, weil er nur auf einen Sechser gesetzt hat.
Die Idee von Kirch ist variabler. Aufbau auch über die AV, aber unter einbeziehen der Achter, variabler im Spielaufbau, auch mal durch die Mitte. Kirch hat auch Abläufe, gibt den Spielern aber mehr Verantwortung und mehr Kreativität auf dem Platz. Seine beiden Achter stehen gegen den Ball auf unterschiedlichen Positionen - der eine läuft im 4-4-2 mit dem Stürmer zusammen an, der andere fällt zentral auf die Sechser-Postion zurück. Gegen den Ball spielt Kirch situatives hohes Pressing, sonst eine Verteidigung im tiefen Block.
Ich glaube, dass Kirch mittelfristig das hinbekommen wird, was Kniat nicht hinbekommen hat. Eine defensive Stabilität, gepaart mit einem ordentlichen Offensivspiel.
Volle Zustimmung für deine ersten beiden Sätze.
Auch deine Analyse zu Kirch teile ich, er scheint auch auf unterschiedliche Spielsituationen gut reagieren zu können.
Kirch hat aber auch den Vorteil, ein Team zu haben, dessen Basics ( hohes Pressing, hohe Laufbereitschaft, Intensität) von Kniat installiert wurden, die also schon vorhanden sind. Kniat hat dies erst entwickeln und deshalb natürlich deutlich häufiger Abläufe wiederholen müssen als jetzt Kirch.
Ansonsten kann ich mich an deutlich offensiverer Spielansätze auch unter Kniat erinnern, die aber häufig mangelhaft umgesetzt wurden( interessanterweise im Pokal gegen mitspielende Gegner besser funktioniert haben) bzw aufgrund individueller Fehler nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht haben.
Dann wurde zunehmend " ergebnisorientierter" gespielt, was sicherlich auf Kosten der Attraktivität geht., ähnlich wie gestern in Bochum.Trotzdem zeigt die Anzahl der erzielten Treffer( nur 5 Teams haben in der letzten Saison mehr Tore erzielt als Arminia) und die vielen verschiedenen Torschützen in der Vergangenheit (und das trotz der von dir zurecht angesprochenenen mangelhaften Chancenauswertung), dass die Mannschaft dann doch nicht so ganz leicht ausrechenbar gewesen sein kann.