Ohne das jetzt bewerten zu wollen, könnte man die Argumente aber auch auf die jeweils andere Beleidigung anwenden. Was mich an dieser Geschichte etwas stört, daß ist das sofortige Anspringen sämtlicher Medien und Gerechtigkeitsfanatiker (ich wollte das belastete Wort „Gutmenschen“ im Sinne des Unworts des Jahres 2011 unbedingt vermeiden) auf das Reizwort „Rassismus“. In wie weit man hier den Anfängen wehren muss ist mir selber noch nicht so ganz klar.
In gewisser Weise gebe ich dir recht: Manche (vor allem Journalisten) haben ihren vorgeblichen Antirassismus irgendwie zum Beruf/zur Berufung gemacht und versuchen diese Agenda in alle Lebensbereiche hineinzudrücken. Ich empfinde dieses sofortige Aufschreien auch meistens für deutlich übertrieben. Zumal das zumeist auch mit einer moralischen Verurteilung gekoppelt ist. Sehr problematisch finde ich das im politischen Diskussionen, weil es häufig vorkommt, dass man aus Gründen der "politcal correctness" nicht mehr unbefangen über bestimmte Themen reden kann.
Andererseits ist es aber offensichtlich so, dass man die Leute dafür sensibilisieren muss, was man mit z.B. Sprache bzw. der Verwendung von bestimmten Wörtern bei anderen anrichten kann. Ich persönlich empfinde das auch als Frage einer guten Erziehung. Obwohl ich bereits über 50 Jahre alt bin, war es mir bereits als Kind z.B. unangenehm, wenn jemand z.B. das N-Wort für Afrikaner verwendet hat. Später fand ich es merkwürdig, wenn versucht wurde, von gewissen Eigenschaften wie Hautfarbe oder Aussehen auf so etwas wie Intelligenz zu schließen. Unwohl habe ich mich auch im Stadion gefühlt, wenn ein schwarzer Spieler den Ball bekam und dann von den Tribünen Affenlaute erklangen. Das verhält sich bei einigen anderenThemen genauso.
Der Profisport spielt in dem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Das liegt zum einen an der Popularität sowie der der medialen Aufmerksamkeit. die dieser generiert. Daraus ergibt sich eben auch eine gewisse Verantwortung gegenüber solchen Themen und eine gewisse Vorbildfunktion für einen positiven Umgang damit. Das gilt vor allem für Kinder und Jugendliche. Weiter gibt es kaum Lebensbereiche, in denen Personen mit Migrationshintergrund so zahlreich vertreten sind und die ihnen derartige nicht nur monetäre Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Nach meiner Meinung wirkt nicht so effektiv gegen das Gift des Rassismus wie gut integrierte Migranten mit einer persönlichen Erfolgsgeschichte. Man muss die nicht immer als Opfer stilisierten - das wollen die zum Teil auch selber garnicht.