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Ein Spiel war es nicht
Am Sonntag verlief die Begegnung Union Berlin – BFC Dynamo
Von Martin Müller-Mertens
Wenn dies die Generalprobe für die Fußball-Weltmeisterschaft gewesen ist, so verheißt das kommende Frühjahr wenig Gutes. Mit roher Gewalt, massiven Drohgebärden und einem eigenwilligen Spielverlauf ging am Sonntag des Berliner Lokalderbys in der Oberliga zwischen den Stadtrivalen Union Berlin und BFC Dynamo über die Bühne des Stadions an der Alten Försterei.
Bereits im Vorfeld hatten die hauptstädtischen Medien die Begegnung zum Haßduell emporgeschrieben, bei denen es den durchgehend gewaltbereiten BFC-Anhängern lediglich auf Zerstörung ankäme. Keine Zeile darüber, daß zumindest bei den letzten, die vergangenen Jahre selten gewordenen, Begegnungen der Klubs nahezu ausschließlich Provokationen der Sicherheitskräfte entsprechende Reaktionen der Dynamo-Fans auslösten.
Die Begegnung mit dem Oberligarekord von 14.020 Zuschauern wurde schließlich mit halbstündiger Verspätung um 14.30 Uhr angepfiffen. Dabei war bis etwa eine Stunde vor dem Spiel überhaupt nicht klar, ob dieses stattfinden könnte. Nachdem die Polizei in der Nacht eine Feier von BFC-Anhängern ohne für die Öffentlichkeit nachvollziehbaren Grund aufgelöst und etwa 130 Fans in Haft genommen hatte, war in der Vereinsführung zeitweise ein Boykott diskutiert worden.
Das Spiel selbst zeigte eine spielerisch ausgeglichene erste Halbzeit mit Chancen für beide Seiten, jedoch zwei Toren für die Gastgeber von Union. Eine ganze Reihe von Schiedsrichterentscheidungen, die nach Ansicht der Dynamofans den Rahmen der Unparteilichkeit verließen, sollen hier nicht kommentiert werden. Auch Reporter stehen auf der Tribüne und nicht auf dem Rasen und von diesem Standpunkt aus ergaben sich mindestens ein „nicht gesehenes“ Handspiel und eine zu Unrecht gepfiffene Abseitsposition.
Die zweite Halbzeit zeigte dagegen bald kein Spiel mehr, welches diesen Namen verdient. Die BFC-Elf lief wie eine Ansammlung von Ausflüglern über den Rasen, rollte mal hier, mal da und mal in Richtung Union den Ball, die einen nach dem anderen ins Tor gaben. So endete die Begegnung 8:0 für die Köpeniker, die ihrer Freude verständlicherweise ungehemmt Ausdruck verliehen. Es wird nun Sache von Dynamo sein, diesen Totalausfall zu erklären, der bereits zwei Niederlagen folgt. Sollte es sich um eine Form des Protestes gegen den Polizeieinsatz gehandelt haben, so war er recht dumm organisiert.
Zu Ausschreitungen kam es am Nachmittag in Köpenik nicht. Vielleicht, weil der Schock der Niederlage zu tief saß. Vielleicht ob der kriegsähnlichen Situation bei vollständig abgeriegelter Innenstadt, Räumpanzern, Wasserwerfern und vermummten Schlägertrupps der Polizei.
Die Vereinsführung des BFC kritisierte das Vorgehen scharf. „Alles, was wir erfahren haben, war, daß die Polizei dort eine Übung veranstaltet hat und alles in Grund und Boden getreten hat", so Trainer Jürgen Piepenburg mit Bezug auf die Festnahmen der Nacht. Die überfallene Feier fand im übrigen aus Anlaß eines Fanturniers statt, mit dem der BFC seines Anhängers Mike Polley gedenkt. Dieser wurde 1990 bei einem Auswärtsspiel ohne erkennbaren Grund von der Leipziger Polizei erschossen.