Alles anzeigenDie Ansicht, dass ein neuer Trainer ja nur ein paar kleine Dinge zu ändern braucht, und schon läuft es automatisch besser, ist aber genau so ein "Totschlagargument". Nur dass im Gegensatz dazu die Tatsache, dass wir wenig Geld haben nunmal ein Fakt ist, wohingegen ein neuer Trainer eben nicht immer sofort besseren Erfolg verspricht. Jüngstes Beispiel aus der letzten Saison sind unsere beiden Nachbarn. Bei Paderborn konnten 2 neue Trainer keine wesentliche Verbesserungen erzielen, in Duisburg hat Gruev eine halbe Saison gebraucht, um den Karren fast noch aus dem Dreck zu ziehen, ähnlich wie bei unserem letzten vom Verein initiierten Trainerwechsel, wo Meier auch erst nach einiger Zeit eine kleine Verbesserung erreicht hatte.
Gefühlt wirkt ein Trainerwechsel wirklich nachhaltig positiv, wenn bei einer Mannschaft mit gehobener Qualität aus irgendwelchen Gründen die Qualität nicht in Punkte umgemünzt werden kann. Dann kann der Trainerwechsel psychische Blockaden lösen und die Spieler ihr wahres Potential abrufen. Das ist bei uns aber nicht der Fall.
Bei Mannschaften mit eher mittelmäßiger Qualität kann ein neuer Trainer neue Motivationsimpulse setzen, die die Spieler kurzfristig beflügeln und über ihre Leistungsgrenzen hinaus wachsen lassen können. Beginnend mit den ersten Negativerlebnissen wird dieser Effekt aber verpuffen und man steht vor dem gleichen Problem wie zuvor.
Uns sortiere ich eher in letzterer Kategorie ein. Daher bringt ein Trainerwechsel für uns nur etwas, wenn der neue Trainer Dinge, die in Rüdiger Rehms System nachhaltige Schwachpunkte darstellen und unter seiner Regie nicht abgestellt werden können, entsprechend verändern kann und dadurch erhöhten Erfolg bringt.
Als Beispiel der Trainerwechsel von Krämer zu Meier: Unter Krämer wurde eindimensionaler Hurra-Hauruck-Fußball mit einem einzigen Offensivmittel (Bälle lang und hoch auf Klos und versuchen den zweiten Ball zu erobern) gespielt. Darauf konnten sich die Gegner recht einfach einstellen, so dass wir, nachdem wir in Rückstand gerieten, kaum Mittel hatten, diesen zu egalisieren. Meier hat das zwar auch nicht großartig verändern können, hat aber auf einen wesentlich defensiver orientierten Fußball umgestellt, damit wir wenigstens die Anzahl der Gegentore reduzieren konnten und hat so versucht, uns zum Klassenerhalt zu hamstern, was ja auch fast geglückt wäre.
Momentan sind wir hinten durchaus ähnlich anfällig wie unter Krämer, dass aber auch nur, wenn die gegnerische Offensive die Qualität besitzt, unsere meist individuellen Fehler auszunutzen (Berlin, Hannover, St.Pauli mit abstrichen und 1860 in genau der einen Szene die es gab durch ihren BuLi-Spieler). Ansonsten stehen wir gegen Mannschaften mit weniger starken Offensivreihen (KSC, Aue) hinten weitestgehend stabil. Offensiv wirkt unser Spiel auch deutlich variabler als unter Krämer. Es wird versucht, über unterschiedliche taktische Mittel und Spielzüge zum Erfolg zu kommen und so nicht zu einfach ausrechenbar zu sein. Das klappt teilweise, wird aber mit der Qualität der vorhandenen Spieler nicht in jedem Spiel über 90 Minuten umsetzbar sein. Zusätzlich hatte die Mannschaft auch unter dem "wesentlich besseren" Trainer Meier und seiner weniger kraftraubenden Spielweise ihre Liebe Not mit der Chancenverwertung. Daher ist das wohl eher eine Qualitätsfrage oder Kopfsache denn der Kondition bzw. Spielweise.
Abschließend muss man sich die Frage stellen, welcher Trainer, der momentan verfügbar und für Arminia bezahlbar ist, in der Lage sein könnte, die Dinge, die momentan falsch/gegen uns laufen und in meinen Augen noch nicht einmal in erster Linie dem Trainer zuzuschreiben sind, nachhaltig zu verändern.
Oder ob nicht auch alternativ "einfache" Dinge wie erste Erfolgserlebnisse und das dann stattfindende Umdenken im Kopf der Spieler ausreichen, um mit neuem Selbstvertrauen Konzentrationsfehler zu minimieren und unser Spiel wesentlich zu verbessern.
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Wie sich zeigt, können komplexe Zusammenhänge eben meistens nur in "Romanen" annähernd erfasst werden. Komplexe Sachverhalte auf simple Aussagen zu verkürzen bringt meistens weder im Fußball, noch bei gesellschaftlichen Fragen etwas.