So, lange drüber nachgedacht, ob ich was dazu schreiben möchte und dann doch dafür entschieden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, meine Grundrechte, in dem Moment, in dem ich als Fußballfan erkennbar bin, bei Auswärtsfahrten eingeschränkt werden. Und um das mal einzusortieren: ich bin keine Allesfahrerin, war aber schon in Stadien der ersten drei Ligen in unterschiedlichen Bundesländern unterwegs. Darüber hinaus bin ich mittelalt, weiblich, eher unsportlich und falle somit rein vom Äußeren her (und aus einer pauschalen und stereotypen Sichtweise) nicht in die Kategorie "Problem-/Krawallfan".
Und dennoch:
- darf ich mich nach Ankunft an einem Bahnhof am Auswärtsort nicht frei in der Stadt bewegen,
- darf ich nach dem Spiel nicht zurück zu meinem Hotel, sondern werde entweder mit dem Shuttlebus an irgendeinen weit entfernten Bahnhof verbracht oder muss zu Fuß irgendwo anders hin laufen,
- darf ich einen öffentlichen Zug, für den ich ein Ticket beworben habe, nicht normal nutzen und werde dann auch noch von einer aufgerüsteten Hundertschaft begleitet,
- wird direkt vor meiner Nase eine Kamera aufgebaut und ich werde gefilmt,
und das sind nur Kleinigkeiten, von jemandem, der gelegentlich auswärts fährt. Ich bin noch nie eingekesselt worden, ohne Getränke und die Möglichkeit, Sanitäranlagen zu nutzen; ich wurde noch nie unangemessen und diskriminierend durchsucht; ich weiß nicht, wie es ist, wenn man grundlos in die Datei Gewalttäter Sport aufgenommen wird; meine Wohnung wurde nicht durchsucht; und, und, und....
Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass alle, die ins Stadion gehen, lieb und nett sind und dass in diesem Rahmen keine Vergehen oder Straftaten begangen werden. Aber mir sind wenige Gruppen bekannt (spontan z.B. die letzte Generation, insbes. in Bayern, oder auch Gegendemonstrat*innen gegen Rechts), die so pauschal unter den Generalverdacht gestellt werden, irgendwas schlimmes oder gefährliches oder sogar strafrechtlich Relevantes zu unternehmen, wie Fußballfans. Und zu dieser Pauschalverurteilung, die dann im Weiteren wieder zu Grundrechtseinschränkungen führt, gehört für mich auch eine USK-Einheit, die sich bei einem absolut friedlichen Spiel in einem freundlichen Umfeld in einem Block von Zuschauer*innen positioniert, die nichts gemacht haben, als zu einem Fußballspiel zu fahren, anzufeuern und zu feiern.
So, etwas längerer Ausflug weg vom Spiel gegen Haching in Richtung Fanpolitik/-rechte, kann sonst auch gerne an die passende Stelle geschoben werden.
Ich kann das fast zu 100 % unterschreiben und bin auch absolut nicht damit einverstanden. Aber letztendlich liegt die Verantwortung für solche inakzeptable Generalkriminalisierung doch bei einer Minderheit von Fans, die sich nicht benehmen können und nicht bei den Ordnungskraeften, auch wenn auch auf deren Seite nicht immer alles korrekt abläuft. Uns hängen immer noch die Vorgänge von Wiesbaden an und im Endeffekt werden die Verantwortlichen lieber vorbeugend überziehen, als sich hinterher Versäumnisse vorwerfen lassen zu müssen.