Natürlich ist das ein pessimistisches Bild, aber ich habe jeglichen Glauben daran verloren, dass dieser Verein noch einmal über einen längeren Zeitraum außergewöhnlich sportlich erfolgreich sein kann (was für mich z.B. ein einstelliger Tabellenplatz in der 2. Liga wäre). Im Gegensatz zu früheren Jahren ist nach meinem Gefühl der Zug für lange Zeit abgefahren und die ganze Trägheit und Demut werden dafür sorgen, dass Vereine wie Paderborn, Fürth, Kiel, Magdeburg, Karlsruhe über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte davonziehen. Ich vermute, dass diese Erkenntnis auch in vielen Firmenzentralen Einzug erhalten hat und man sich noch maximal verpflichtet sieht, den Verein am Leben zu erhalten, aber nicht mehr bereit ist, den (monetären) Kampf um einen Platz unter den Top 25 oder meinetwegen Top 30 in Deutschland zu führen.
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Was hingegen die Vermarktung / Akzeptanz der 3. Liga in Bielefeld anbetrifft, bin ich positiver gestimmt, weil wir es doch jetzt schon erleben. Von den Zuschauern wird die Liga angenommen und dass ohne allzu viele Highlights bisher bzw. ohne irgendein erklärtes Saisonziel. Natürlich gibt es hier im Forum Stimmen, die ankündigen sich spätestens im 3. Jahr 3. Liga abwenden zu wollen. Ich glaube aber nicht, dass das die Mehrheit ist. Was soll denn passieren, wenn durch ein wenig Pech und Ungeschick auch die ersten fünf Spiele der kommenden Saison in die Hose gehen und man anschließend wieder im Mittelfeld festklemmt? Boykott, Revolte? Wortmann ist auch nicht doof. Über Marketinginstrumente kann man gerade nach dem Investoren-Deal nun versuchen zu verkaufen, dass das hier der eigentliche Fußball ist, ohne Glamour etc. (Dass man selber die Schuld daran trägt jetzt nichts vom Kuchen abzubekommen, kann man ja ausklammern). Das alles freundlich flankiert von der heimischen Presse oder wurde seit dem Abstieg ein einziges Mal nachgefragt, wie sich der Verein die nächsten Jahre vorstellt und wo man sich als Arminia Bielefeld selber 2025 oder 2030 sieht?
Der springende Punkt an der Sache ist, dass die genannten Vereine den monetären Kampf gar nicht so erbittert führen, sondern vom Tagesgeschäft und den Einnahmen aus dem DFL-Topf leben. Das wäre auch in Bielefeld auch problemlos möglich, wenn man in den Verein eine gewisse Konstanz hineinbekommen hätte, aber Konstanz ist bei Arminia von Natur aus nicht angelegt. Mangels antizyklischer Planung sehe ich das auch aktuell in weiter Ferne.
Die nächste Frage wird sein, wie lange man seinen Status in Bezug auf Zuschauer und Interesse in Liga 3 wird halten können. Paderborn ist die letzten Jahre ordentlich gewachsen und Arminia hat durch seine Erfolge zwischen 2015 und 2020 ähnliches geleistet. Man sieht an gefallen Traditionsclubs, dass der Zuschauerzuspruch lange nachwirkt, aber man sieht auch, dass er allmählich abflacht und bis zu einer neuerlichen Phase des Erfolges großen Schwankungen mit tiefen Tälern unterworfen ist. Das kann man bei Aachen, Essen und vielen anderen gut nachempfinden. Arminia bräuchte eine klare Perspektive zur Rückkehr und Etablierung in der zweiten Liga, auch unter wechselndem Personal in Sachen Geschäftsführung, sprich ohne Alleinherrscher, die man wurschteln lässt. Sehen kann ich einen solchen Plan leider nicht, auch wenn sportlich durch die aktuelle Geschäftsführung, um Mutzel zumindest ein entwicklungsfähiges Konzept vorliegt. Aber das ist wieder das Konzept eines einzelnen. Ansonsten steht der Verein in Sachen Konzepten - zumindest von außen betrachtet - wieder einmal blank dar.