3 Artikel aus dem WESTFALEN-BLATT
Arminia nach 1:3-Fehlstart gegen Oberhausen Tabellenletzter
In der Hitze eiskalt abgekocht
Bielefeld(WB). Vor zwei Jahren verlor Arminia Bielefeld zum Auftakt gegen Babelsberg und stieg auf. Im Oberhaus begannen die Ostwestfalen mit einem 3:0 gegen Werder Bremen als Tabellenführer - und stiegen ab. Nun grüßt Arminia Bielefeld nach dem Saisonstart und einer völlig verdienten 1:3 (0:1)-Niederlage gegen RW Oberhausen als Letzter der 2. Bundesliga. Wohin fürhrt der Weg dieses Mal? Vielleicht sollte die Platzierung nach 90 Spielminuten tatsächlich nicht überbewertet werden. Doch nicht nur Arminia-Geschäftsführer Thomas von Heesen wertete die kalte Alm-Dusche bei tropischen Temperaturen als heißes Alarm-Signal: "Wir müssen jetzt investieren. Wir könenn nicht weiter herumlaufen und versuchen, ohne Geld Verstärkungen zu finden."
Arminia Bielefeld leistete sich am Sonntag jedenfalls einen klassischen Fehlstart. Die überraschend spielstarken Oberhausener sicherten sich mit Toren von Sasa Radulovic, Leandro und Quedraogo bis zur 71. Minute ein verdientes 3:0, ehe Verteidiger Aliaj per Eigentor der Arminia zumindest den Ehrentreffer gönnte.
Vorher hatten die Bielefelder ein paar gute Ansätze, aber viel zu wenig Zielstrebiges geboten. Hinterher fehlte neben treffenden Ideen auch die Entschlossenheit, vielleicht doch noch die Wende zum Guten zu erzwingen. Bei ihrem zweiten Lattentreffer - der überragende Velichkov in der 85. Minute - waren die Gäste einem weiteren Treffer sogar näher als die Platzherrren, die 11 632 Zuschauer enttäuschten und selbst völlig enttäuscht waren. Viel Zeit bis zum nächsten Auftritt bleibt nicht: Beim heimstarken VfB Lübeck geht es bereits am Freitag (19:00 Uhr) weiter.
"Die erste Halbzeit war noch okay, aber in der zweiten haben wir einfach zu wild und mit zu wenig Überischt gespielt", sagte Mannschaftskapitän Mathias Hain. Auch er forderte Verstärkungen: "Wir müssen weiter das Ziel haben, oben mitzuspielen. Aber wir können nicht eine Saison mit 17 Spielern bestreiten."
Noch nicht einmal die erlaubten 18 Aktiven für den Meldebogen bekam die Arminia gestern voll. Möhlmann nominierte 17 Akteure - der Rest war verletzt. Und von den Gesunden war keiner in der Lage, den Lauf des Spiels zu wenden oder gar entscheidend einzugreifen. Arminia fehlte im Spiel nach vorn jegliche Durchschlagskraft, was 90 Minuten lang zu besichtigen war. "Wir brauchen mindestens einen neuen Stürmer", wiederholte deshalb Trainer Benno Möhlmann seine keineswegs neue Einschätzung - allerdings mit verändertem Schwerpunkt: Denn am Sonntag legte er die Betonung auf "mindestens".
Aber nicht nur auf Hilfe von außen dürfen die Bielefelder bauen, die ihre beste Chance nach 20 Minuten vergaben, als Patrick Owomoyela nach einem Freistoß von Detlev Dammeier den Ball nicht schnell genug unter Kontrolle bekam. Alle Arminia-Anwesenden von Sonntag dürfen und müssen sich steigern, um zumindest Zweitligareife zu erreichen.
Das gilt bis hin zum Stadionpersonal: "Sicherheits-Chef" Hans Tatenhorst behinderte nach dem Spielende die Tagesarbeit der Journalisten und vergriff sich dabei nicht zum ersten Mal im Ton. Es war einfach kein gutes Bild, das Arminia gestern abgab.
Radovic und Küntzel gelang gar nichts
Nur ein laues Lüftchen
Bielefeld. (WB/fwk). Die gar nicht so einfach zu findende Antwort auf die Frage, wie lange sich die Arminen hätten quälen müssen, bis auch ihnen ein Treffer gut geschrieben worden wäre, nahm ihnen dankesnwerter Weise der Oberhausener Adrian Aliaj ab. Nach einem Lattenschuss von Patrick Owomoyela besorgte der RWO-Verteidiger in der 73.Minute den Rest. Er verwertete den Abpraller zum 1:3. Ein Eigentor, das Arminia-Trainer Möhlmann für "bezeichend" hielt. Ernsthaft hatte er schon gar nicht mehr damit gerechnet, ein Tor für den DSC zu erleben.
Denn der Sturm war allenfalls ein laues Lüftchen. "Radovic kam überhaupt nicht klar. Küntzel hat zwar viel gearbeitet, aber auch ihm ist nichts gelungen", bewertete der Fußball-Lehrer die Vorstellung seiner beiden neuen Angreifer als misslungen. Wer die Tradition der großen Arminia-Torjäger Fritz Walter, Bruno Labbadia und Artur Wichniarek fortsetzen soll, ist Möhlmann derzeit in Rätsel. Die Offensiv-Not ist so groß, dass sogar schon das Fehlen des für die Partie gegen Oberhausen gesperrten Ben Newton Katanha beklagt wurde, obwohl der junge Mann aus Zimbabwe noch nicht einmal eine einzige Meisterschaftsminute inder deutschen zweiten Fußball-Liga absolviert hat. "Er ist wenigstens eine Alternative", sagte Möhlmann, der seine nicht überzeugenden Spitzen aber gleichzeitig auch in Schutz nahm: "Wenn man sich viel vornimmt, kommt nicht viel dabei heraus. Das haben wir doch auch bei Artur Wichniareks Einstand in Berlin gesehen."
Die erfahrenen Arminen patzten
Bielefeld (WB/fwk). Benno Möhlmann steckte im Zwiespalt. "Wir können es besser", stellt der Trainer fest. Aber pauschal unterschreiben für die komplette Mannschaft mochte der diese Annahme nicht, weil gleich die erste Partie Zweifel aufwarf. Die äußerte auch der Trainer: "Wir müssen uns steigern. Aber die Frage ist, wie schnell uns das gelingt und ob es bei Einzelnen überhaupt möglich ist."
Dass nach dem personellen Umbruch auch die erfahrenen Profis Schwächen offenbarten, hatte dabei nicht nur den Trainer irritiert. So ließ sich Marcio Borges vor dem 0:2 hoch nehmen, Torhüter Mathias Hain patzte vor dem 0:3, als sich der Kapitän nicht dazu entscheiden konnte, ob er nun einen Ausflug unternehmen oder doch lieber im Kasten bleiben wollte.
In solchen defensiven Wirren, die sich zur Offensiv-Harmlosigkeit dazu gesellten, konnte auch der neue Abwehr-Chef Roland Benschneider nichts retten. Ein knappes befriedigend unter den neuen Kräften verdiente sich neben dem Ex-Trierer auch Patrick Owomoyela. Auch bei ihm beobachtete Möhlmann jeoch fehlende Zielstrebigkeit. Sonst hätte er bei der einzig zu erwähnenden Chance der Arminen in der ersten Halbzeit das 1:0 gemacht. Das, und nur das, hätte den Start wohl zu einem schönen Sonntag werden lassen können.