So siehts die Mainzer Lokalpresse:
Latente Anspannung in Mainzer Beinen
Kein Sieger in einer schwachen Partie/Führung durch Zidan/Babatz feiert Comeback
Vom 08.02.2006
MAINZ Vor den beiden schweren Auswärtsspielen in Hamburg und Stuttgart hat Fußball-Bundesligist FSV Mainz 05 die große Chance verpasst, sich im Tabellenkeller etwas Luft zu verschaffen.
Von
Ulrich Gerecke
Gegen den Abstiegskonkurrenten Arminia Bielefeld kamen die Mainzer gestern Abend über ein leistungsgerechtes 1:1 (0:0) nicht hinaus. Vor 19500 Zuschauern im Bruchweg-Stadion hatte Mohamed Zidan die 05er in der 50. Minute per Foulelfmeter in Führung gebracht. Sieben Minuten später gelang Isaac Boakye der verdiente Ausgleich. 05-Trainer Jürgen Klopp gewann dem Punkt dennoch etwas Positives ab: "Das war der erste schlechte Spiel in der Bundesliga-Geschichte von Mainz 05, das wir nicht verloren haben. Während des Spiels war ich mit dem Punkt nicht superglücklich, hinterher schon." Damit spielte Klopp auf die Schlussminute an, in der Bielefelds Angreifer Artur Wichniarek aus 16 Metern das leere 05-Tor verpasst hatte. Nur Zentimeter fehlten - und die Mainzer hätten mit völlig leeren Händen dagestanden. Bielfelds Coach Thomas von Heesen war trotzdem zufrieden: "Wir haben das Spiel kontrolliert und wenig zugelassen. Der Punkt geht in Ordnung."
Neben der Rückkehr des zuletzt gelb-gesperrten Michael Thurk musste Trainer Jürgen Klopp drei Mal verletzungsbedingt umstellen: Für Dimo Wache (Knie-Operation) hütete Christian Wetklo das Tor, statt Benjamin Weigelt (Adduktorenzerrung) verteidigte Marco Rose auf der linken Seite. Kurzfristig musste auch noch Otto Addo wegen einer beim 2:4 in Bremen erlittenen Verhärtung im Oberschenkel passen. Für ihn rückte zum ersten Mal seit September Christof Babatz in die Anfangself.
Diese Veränderungen reichten allerdings nicht als Erklärung für die über weite Strecken äußerst bescheidene Vorstellung. Jürgen Klinsmanns Co-Trainer Joachim Löw dürfte sein Kommen bitterlich bereut haben, denn er sah herzlich wenig. Gegen das massive und geschickt angeordnete Arminen-Bollwerk brachten die 05er nichts von jenem Angriffsschwung auf den Rasen, mit dem sie ihre Fans beim 4:2 gegen den 1. FC Köln verzückt hatten. Distanzschüsse von Toni da Silva (30.) und Babatz (40.), die auf der Tribüne landeten, konnten mit viel gutem Willen als Mini-Chancen durchgehen. "Phasenweise war das ordentlich, die meiste Zeit aber nicht", gab Klopp zu.
Gefährlich waren die Bielefelder zwar zunächst auch nur in einer Szene, als Rose im Strafraum knapp vor Boakye klärte (12.), doch von Heesens Team wirkte ballsicherer. Die 05er dagegen schalteten zu langsam auf Angriff um, folglich entstand auch kein Druck auf das Gästetor. Selbst Kurzpässe landeten oft beim Gegner oder im Niemandsland, eine latente Anspannung lähmte den Mainzern die Beine, immer wieder griffen sie zu langen Bälle als letztem Mittel. Klopp wusste: "Das war keine Meisterschaft im Rasenschach. Beide Mannschaften hatten viel Respekt voreinander."
Fünf Minuten nach der Pause durften die Mainzer Fans die schwache erste Halbzeit zumindest kurzzeitig vergessen - dank Marcio Borges. Nach da Silvas Balleroberung und Zidans Steilpass ging der Arminen-Verteidiger zu ungestüm gegen den schon weit nach außen abgedrängten Thurk in den Zweikampf. Schiedsrichter Peter Gagelmann wurde dadurch zum Elfmeterpfiff förmlich gezwungen - Zidan verlud Keeper Mathias Hain und feierte sein fünftes Saisontor.
Das 1:0 gab den 05ern aber nur sieben Minuten ein sicheres Gefühl: Dann nutzte Boakye eine verunglückte Kopfballabwehr nach einer Ecke und hämmerte die Kugel mit einem Drehschuss zum 1:1 unter die Latte. "Weltklasse, das macht Isaac aus", jubelte von Hessen, während sich Klopp über die "unnötige Ecke" ärgerte. Anschließend nahm das Spiel zwar Fahrt auf, das Niveau blieb jedoch überschaubar. Ein da-Silva-Freistoß knapp neben das Tor (69.) läutete eine gedämpfte Mainzer Schlussoffensive ein, bei der sich die Gastgeber bei allem Kampfgeist wiederholt selbst im Wege standen. Auch die eingewechselten Tom Geißler und Niclas Weiland hatten gegen die weiter unangenehm ihr Tor verteidigenden Bielefelder einen extrem schweren Stand.
So blieben Chancen Mangelware - bis zur 90. Minute. Da stand der eingewechselte Wichniarek nach einem gemeinsamen Patzer von Wetklo und 05-Verteidiger Christian Demirtas frei am Strafraum. Das Tor war leer, doch der Pole zielte knapp am rechten Pfosten vorbei. "Darüber muss ich eine Nacht schlafen, das habe ich noch nie erlebt", haderte von Hessen. Und Klopp & Co. mussten über den einen Punkt am Ende noch heilfroh sein.